08. Oktober 2005 Auf dem russischen Raketenstartgelände Plessezk läuft der Countdown für eine wichtige Weltraummission im Dienst der Klimaforschung. Heute startet der europäische Satellit Cryosat, der mindestens bis 2008 Veränderungen der Eiskappen an Nord- und Südpol messen soll. Aus 720 Kilometern Höhe kann sein Doppelradar bis auf drei Zentimeter genau die Dicke von Eisschichten bestimmen.

Die Europäische Raumfahrtagentur Esa eröffnet mit Cryosat eine neue Serie von Satelliten zur Erdbeobachtung. Die leichte russische Trägerrakete Rockot, eine abgerüstete Atomrakete SS-19, soll den künstlichen Himmelskörper ins All tragen.

CYROSAT

Wissen, was mit dem Eis passiert

Die Eismassen an den unwirtlichen Polen spielen eine große Rolle für das Klima weltweit. „Wir wissen noch viel zu wenig darüber, was mit dem Eis passiert”, sagt der britische Geophysiker Duncan Wingham in Plessezk. Er hat die 136 Millionen Euro teure Cryosat-Mission ersonnen.

Die Hinweise mehren sich, daß die globale Erwärmung das Eis an vielen Stellen schmelzen läßt. Erst kürzlich schlugen Forscher des Nationalen Schnee- und Eis-Datenzentrums der Vereinigten Staaten (NSIDC) Alarm, weil das Eis der Arktis sich nach ihren Daten drastisch vermindert. An anderen Stellen werde die Eisschicht aber aus noch ungeklärten Gründen dicker, sagt Wingham. Zu ähnlichen Ergebnissen kamen zuletzt Klimaforscher des Hamburger Max-Planck-Instituts für Meteorologie. Sie erwarten bis zum Jahr 2100 eine im Sommer eisfreie Arktis, während das antarktische Eis von dieser Entwicklung verschont bleiben.

Den endgültigen Beweis für eine drohende Klimakatastrophe erwartet der Londoner Professor von drei Jahren Arbeitszeit mit Cryosat zwar nicht, aber er erhofft sich zuverlässige Erkenntnisse, wie Wind, Schnee, Sonnenlicht und Erdwärme auf das Eis einwirken: „Es geht darum, die Physik des Eises verstehen.”

Klima-Satellit CryoSat verloren

08. Oktober 2005 Die CryoSat-Mission der Europäischen Raumagentur ESA ist nach russischen Angaben gescheitert. Der Klima-Satellit CryoSat sei verloren, teilte ein Sprecher der russischen Raumfahrtagentur am Samstag abend in Moskau nach Angaben der Agentur ITAR-TASS mit. Der ESA-Satellit war um 17.02 Uhr (MESZ) mit einer Rockot-Rakete vom russischen Weltraumbahnhof Plesezk, 800 Kilometer nördlich von Moskau, gestartet, anschließend war der Kontakt abgebrochen.

Es sei nicht gelungen, einen Kontakt zu dem Satelliten herzustellen, sagte ein ESA-Sprecher in Paris. Der Satellit sollte nach den ursprünglichen Planungen rund anderthalb Stunden nach dem Start in einer Erdumlaufbahn ausgesetzt werden

Mit der CryoSat-Mission wollten Wissenschaftler das Abschmelzen der Polkappen erforschen. Mindestens drei Jahre lang sollte der Radar-Satellit aus 720 Kilometern Höhe Präzisionsbilder von den schwer zugänglichen Polarregionen zur Erde schicken. CryoSat wurde vom Luft- und Raumfahrtkonzern EADS gebaut. Der 650 Kilogramm schwere Satellit kostete 140 Millionen Euro.

Text: FAZ.NET mit Material von AP und AFP
Bildmaterial: dpa/dpaweb